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Arzt in Deutschland

Arztberuf im Wandel Quelle: http://www.aerzteblatt-studieren.de/doc.asp?docid=101659

Arztberuf im Wandel: Marionetten im Dienst der Bürokratie
Vor 40 Jahren beschloss ich, nach dem Abitur Medizin zu studieren und Arzt zu werden. Ich hatte zu dieser Zeit mehr Interesse an naturwissenschaftlichen Fragestellungen, weniger den Wunsch, ein zweiter Albert Schweitzer zu werden. Im Lauf der Zeit hat sich die Perspektive aber sehr verändert – das Arzt-Patient-Verhältnis ist mehr und mehr in den Vordergrund des Interesses getreten. In den nun mehr als 30 Jahren als klinisch tätiger Kinderarzt haben sich Ideale entwickelt und oft auch verwirklichen lassen, die den leidenden Patienten in den Mittelpunkt stellen und bürokratische Belastungen in den Hintergrund treten lassen konnten: „Mitunter heilen, oft lindern und immer trösten.“ Deswegen behaupte ich bis heute, dass es für mich keinen schöneren Beruf als den des Kinderarztes gibt.


Foto: KV Nordrhein
Schon vor 30 Jahren wurde der medizinische Alltag durch bürokratische Vorgaben zuweilen verdüstert, wenn es etwa hieß, möglichst jeden Patienten stationär aufzunehmen, um die Belegung der Klinik zu steigern. Gewissensbisse darüber, einen kleinen Patienten möglichst schnell zu heilen und nach Hause zu entlassen oder ökonomischen Zwängen zu folgen und ihn wenigstens ein bis zwei Tage länger stationär zu halten, hielten sich in Grenzen, da man auf dem Teppich blieb und diese Vorgaben mehr als Empfehlung denn als Zwang empfunden wurden.

Doch wie haben sich die Zeiten geändert! Das Heilen von Patienten steht schon lange nicht mehr im Mittelpunkt der Tätigkeit im Krankenhaus. Schlagworte wie DRG und MDK prägen den Alltag und bestimmen den Umgang mit den Patienten. Anlässlich einer Visite auf der Station wird nicht vorwiegend mehr über medizinische Diagnostik und Therapie oder das Wohlergehen des Patienten diskutiert, sondern das Hauptaugenmerk richtet sich darauf, ob die stationäre Behandlung überhaupt und – wenn ja – wie lange sie vor dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen gerechtfertigt werden kann. Ärzte erfahren den Druck von
zwei Seiten: Einerseits sol-len möglichst viele Patienten aufgenommen und „optimal“ kodiert werden, andererseits muss dies alles den ökonomischen Vorgaben sowohl der Verwaltung als auch des Medizinischen Dienstes gerecht werden. Ärzte sind Marionetten im Dienst der Bürokratie und müssen ihre eigentlichen Aufgaben vernachlässigen (deren Erfüllung natürlich stillschweigend gemäß dem Berufsethos vorausgesetzt wird). Dass dabei qualitativ wertvolle und obendrein relativ teure Kapazitäten verschlissen werden, liegt auf der Hand. Mittlerweile wird auch mir klar, warum so viele der Absolventen des medizinischen Staatsexamens später nicht als Arzt arbeiten.

Die DRG-Kodierung führt dazu, dass mit Patienten eher nach einer willkürlichen numerischen Zuordnung und nicht ihrem Zustand entsprechend umgegangen wird. Diese Klassifizierung – so
der Friedensnobelpreisträger und Kardiologe Bernhard Lown – zwinge die Ärzte dazu, eine brutale, von der Art des Prokrustes geprägte Medizin zu betreiben. Zur Erläuterung dieses Vergleichs sei erwähnt, dass Prokrustes in der griechischen Mythologie ein sadistisch veranlagter Gastwirt ist, der Wanderer in sein Haus einlädt und ihnen ein Bett zum Nachtlager anbietet – den langen ein kurzes, den kurzen ein langes. Dann haut er den langen die Glieder ab, die überhängen, oder zerklopft seine kleinen Gäste mit einem Hammer, damit sie das große Bett ausfüllen.

Krankenhäuser sind nicht mehr vorwiegend Orte medizinischer Kompetenz und menschlicher Nähe, sondern entwickeln sich hin zu Controlling getriebenen Unternehmen, in denen für jene eigentlichen Aufgaben nicht mehr viel Platz bleibt.
Um noch einmal Bernhard Lown zu zitieren: „Unser Gesundheitssystem droht zusammenzubrechen, wenn der ärztliche Berufsstand sein Augenmerk vom Heilen wegbewegt, das damit beginnt, dem Patienten zuzuhören . . . Das medizinische Versorgungssystem wird dann gesunden, wenn der Patient wieder in den Mittelpunkt des Tagesablaufs eines Arztes rückt.“